Wie werde ich Freelancer?



Es gibt keinen richtigen Weg, er ist meist sehr lang und bei jedem ist er ein wenig anders. Wie DU Freelancer wirst, kann ich dir nicht sagen. Wär ja auch langweilig, wenn der Schritt in die Selbstständigkeit so einfach wäre wie die Zubereitung einer Ofenfrischen (ich liebe die mit Champignons!). Aber ich kann dir beschreiben, wie mein Weg aussieht und die meiner Meinung nach wichtigsten Tipps weitergeben.

Status Quo
Bevor es ans “Eingemachte” geht, kurz noch ein mal meine aktuelle Situation. Nach Abitur, einem Freiwilligen sozialen Jahr und zuletzt zwei Jahren Ausbildung habe ich mich dazu entschlossen, Freelancer zu werden. Meine Ausbildung geht gerade zu Ende und ab dem 17. Juni ist mein neuer Haupterwerb dann auch “amtlich” (Hahaha, ihr wisst schon, Finanzamt und ArGe und so). Meine nachfolgenden Ratschläge sind also noch warm, so frisch sind sie.

Mach dir klar, was du willst
The grass is always greener on the other side! Natürlich hat die Selbstständigkeit viele Vorteile gegenüber einer Festanstellung. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten: Du wirst wesentlich mehr arbeiten müssen, denn nicht jede Stunde, die du arbeitest, kannst du auch in Rechnung stellen. Du hast keinerlei finanzielle Sicherheit, musst dich viel mit Buchhaltung beschäftigen und eine Deadline verschiebt sich nicht, wenn du krank bist. Zu Hause 8 Stunden zu arbeiten ist wesentlich schwieriger, als das in einem Büro zu tun. Vielleicht ist Selbstdisziplin sogar die wichtigste Eigenschaft, die du als erfolgreicher Freelancer haben musst.

Fang sofort damit an
Beginne wenn möglich deine “Karriere” als Nebenverdienst Abends oder am Wochenende. Zum Einen verdienst du direkt ein wenig Geld und zum Anderen lernst du bereits eine Menge über dich: wo liegen deine Stärken und Schwächen, was lenkt dich ab, zu welchen Zeiten arbeitest du am produktivsten. Außerdem hast du auf diese Weise nicht sofort den Druck, genügend Geld verdienen zu müssen.
Aufträge gibt es übrigens überall, selbst wenn es sich nur um die Einladungskarten für eine Geburtstagsparty handelt. Mir selbst haben solche Freundschaftsdienste schon viele Türen geöffnet und so lange du noch ein festes Einkommen hast, kannst du dir solche Projekte auch leisten. Achte nicht zu sehr auf die Bezahlung, viel wichtiger sind der Ruf, das Portfolio, das du dir aufbaust – und natürlich die Dinge, die du wie angesprochen über dich selbst lernst.
Bei mir hat sich diese Wochenendarbeit ausgezahlt: ich beginne meine hauptberufliche Selbstständigkeit mit einem bereits fest etabliertem Kundenstamm in ganz Deutschland.

Man trifft sich immer zweimal im Leben (mindestens)
Ich habe mit 15 das erste mal ein Praktikum als Webdesigner in einer kleinen Werbeagentur gemacht und tatsächlich: erst heute habe ich schon wieder einen Auftrag von eben dieser Agentur bekommen. Meine früheren Arbeitskollegen haben mich auch schon entsprechend weiterempfohlen oder mir Aufträge verschafft. Halte deine Kontakte am Laufen, bau dir ein Netzwerk auf, mit XING oder LinkedIn zum Beispiel läuft das richtig einfach. Kontakte sind das eigentliche Kapital der Zukunft.

Werde arbeitslos!
Dieser Teil trifft zumindest für Deutschland zu. Sieh zu, dass du arbeitslos wirst, dann kannst du den Gründerzuschuss des Staats in Anspruch nehmen. Allerdings solltest du dabei auch den vorangegangen Punkt beachten, eine fristlose Kündigung anzustreben ist weniger sinnvoll, vielmehr sind auslaufende Verträge wie bei mir der Ausbildungsvertrag eine gute Gelegenheit. Hilft dir die Selbstständigkeit dann aus der Arbeitslosigkeit, hast du Anspruch auf Gründerzuschuss – der entspricht in der Regel 9 Monate lang deinem Arbeitslosengeld plus einer 300 Euro Pauschale für deine soziale Absicherung. Das nimmt dir gewaltig viel Druck und du kannst deine Freelancer-Karriere in aller Ruhe aufbauen. Infos zum Gründerzuschuss bekommst du natürlich bei einem Beratungstermin bei der Agentur für Arbeit (den du ohnehin machen musst, wenn du das Geld möchtest) oder aber bei Google.

Lass dir helfen
Niemand kann alles wissen. Lass dir helfen, von einem Steuerberater, von der örtlichen IHK oder der ArGe etwa. Informier dich einfach so umfassend wie möglich und halte Rücksprache mit guten Freunden, was sie über deine Pläne denken. So bekommst du zumeist das ehrlichste Feedback.

Habt ihr weitere Erfahrungen gemacht? Schreibt mir doch in den Comments!



3 Kommentare

(Ich will schreiben!)
  • Andrea

    Nachdem ich auch den gleichen Weg eingeschlagen habe (inkl. Businessplan-Nächte und Gründungszuschuss-Wahnsinn): Drück Dir feste die Daumen und habe null Zweifel daran, dass Du tüchtig & fleissig Deinen Weg gehst! :-)

    Comment — 31. Mai 2010 um 14:52
  • Ruben Schmidtmann

    Auch aus eigener Erfahrung: Steuerberater und einen kompetenten Berater in weiteren Fragen sind einfach total wichtig. Und dann einfach machen.

    Comment — 31. Mai 2010 um 16:09
  • Peggy L

    Alohaaaaaa, wünsch dir ganz viel Erfolg.

    War immer schon von deiner Arbeit und deiner Art überzeugt.

    Meld dich mal. Ich werde auf jeden Fall gucken, dass der Kontakt nicht abreist, denn vielleicht brauche ja auch ich irgendwann mal Tipps. Egal ob zum Webdesign oder zur Selbstständigkeit. ;)

    Comment — 26. Juli 2010 um 20:45

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